Amazon Business Test, Foto: pejo29-istock

Amazon Business in Deutschland: ein erster Test der B2B-Plattform

Am 6. Dezember ist Amazon Business auch in Deutschland gestartet. Wir haben das neue B2B-Portal getestet und die ersten Erfahrungen in einem Artikel zusammengefasst.

Vor 10 Tagen ist Amazon mit dem B2B-Marktplatz Amazon Business auch in Deutschland an den Start gegangen. Zunächst umfasst das Sortiment rund 100 Millionen Produkte, darunter Büromaterial aber auch Produkte des Arbeitsschutzes, Werkzeuge und vieles Weitere.


Der Start / Die Registrierung


Nach Angabe der persönlichen Daten, des Firmennamens und der Umsatzsteuer-ID ist die Registrierung abgeschlossen. Drei Werktage veranschlagt Amazon im Anschluss um die Unternehmensdaten zu prüfen und den Verfügungsrahmen für die Option „Kauf auf Rechnung“ festzulegen. Nach 26 Stunden war in unserem Fall die Prüfung abgeschlossen und VOTUM wurde ein Verfügungsrahmen von 35.000 € eingeräumt. Amazon Business begeistert hier in der Abwicklung und dem Ergebnis des Prozesses.

Amazon Business Registrierung
Screenshot: Amazon Business

Die Funktionen


Die Nutzer von Amazon Business finden auf dem Portal die geläufigen Usability Heuristiken von Amazon. Diese sind erweitert um Funktionen, die für ein B2B-Portal essentiell sind. Die nachfolgende Übersicht zeigt einige davon:

Amazon Business Funktionen Übersicht
Screenshot: Amazon Business

Was verbirgt sich hinter den einzelnen Schlagwörtern? Die Funktionen im Detail.


Kontoverwaltung


Neben der Bearbeitung der Unternehmensdaten können in diesem Bereich Personen zum Konto hinzugefügt, Bestellgruppen gebildet und angepasst werden – was nichts anderes als eine Rechte- und Rollen-Regelung und damit unabdingbar für ein B2B-Portal ist.

Amazon Business Kontoverwaltung
Screenshot: Amazon Business

Gruppen

Zur besseren Organisation der Rechte und Rollen bietet Amazon Business die Möglichkeit Gruppen zu erstellen. In unserem Fall haben wir drei Gruppen erstellt, die unsere Agentur in die Bereiche Office Berlin, Office Stuttgart und Technik gliedert.


Amazon Business Genehmigungen
Screenshot: Amazon Business

Es ist nun möglich für die einzelnen Gruppen Anpassungen vorzunehmen. Der Kontoadministrator kann dabei den Genehmigungsprozess für Bestellungen definieren. Dabei kann ein bestimmtes Limit vorgegeben werden, bis zu dem die Gruppenangehörigen selbstständig und ohne Genehmigung bestellen können und erst bei der Überschreitung dieses Limits eine Freigabe durch eine frei definierbare Person des Unternehmenskontos notwendig wird. Zudem ist es noch möglich individuell für jedes Mitglied diese Einstellung zu konfigurieren. Aber auch Lieferadressen und Zahlungsarten können für die Gruppe festgelegt werden.


Business Analytics

Eine Analyse der Einkäufe / Ausgaben, die bei Amazon Business getätigt werden ist eine nützliche Funktion, um einen Überblick zu erhalten und zu Controlling-Zwecken auch die unterschiedlichen Bereiche / Produktgruppen zu analysieren. Dabei können die Kriterien von Bestell- über Produktgruppen bis hin zu Personen gewählt werden, um eine effiziente Beschaffungsanalyse durchzuführen. Die ausgewählte Analyse kann als CSV-Datei exportiert werden.

Amazon Business Analytics
Screenshot: Amazon Business

Integration des Einkaufssystems

Nutzt man den E-Procurement-Anbieter Onventis und die dazugehörige cloudbasierte Beschaffungssoftware Tradecore, so ist bereits ab Start der B2B-Plattform eine Integration von Amazon Business in das eigene Procurement-System möglich. Nach Angaben von Onventis ist die Integration in acht Schritten möglich. Details gibt es auf der Website von Onventis unter folgendem Link. Amazon will dieses Angebot noch weiter ausbauen – in der Rubrik auf der Plattform werden aktiv E-Procurement- oder ERP-Anbieter gesucht, die eine Anbindung der eigenen Systeme an die Plattform durchführen wollen.


Vergabe von Auftragsnummern

Bereits während des Bestellprozesses kann der Nutzer seiner Bestellung eine Auftragsnummer hinzufügen. Diese Funktion erlaubt eine spätere Auswertung, was in der Beschaffung zur Erfüllung eines Auftrags an Ausgaben über Amazon Business angefallen ist. Eine nützliche Funktion zur eventuellen Weiterberechnung von Anschaffungen über die Plattform und die dazugehörige Dokumentation.


Zahlungsoptionen

Amazon Business bietet drei Zahlungsarten:


1. Kauf auf Rechnung
Nach eingehender Prüfung erhält der Geschäftskunde einen Verfügungsrahmen mit einem Zahlungsziel von 30 Tagen.

2. Amazon Kreditlimit
Das Amazon.de Kreditlimit bietet nach Registrierung die Möglichkeit Einkäufe zu finanzieren.

3. Firmenkreditkarte
Die Einkäufe können mit einer hinterlegten Firmenkreditkarte bezahlt werden.


Diese Zahlungsarten können für jede Bestellgruppe des Unternehmenskontos konfiguriert und festgelegt werden.


Kundenservice

Amazon Business bietet einen Kundenservice an, der montags bis freitags von 08:00 – 22:00 Uhr und samstags von 08:00 – 18:00 Uhr zu erreichen ist. Über die Kontaktseite wird dabei die Anfrage erst auf ein Thema und das damit verbundene Anliegen eingegrenzt. Im Anschluss erhält der Nutzer die Auswahlmöglichkeit und auch gleichzeitig eine Empfehlung über welchen Kanal er mit Amazon in Kontakt treten soll. Außerhalb der angegebenen Zeiträume kann der Kundenservice selbstverständlich per Mail kontaktiert werden.


Amazon Business Kundenservice
Screenshot: Amazon Business

Nicht gesondert aufgeführt sind Funktionen wie die Anzeige von Preisen mit ausgewiesener Umsatzsteuer, ein komfortables Einkaufen über verschiedene Devices. Ein schönes Feature ist der kostenfreie Premiumversand ab einem Einkaufswert von 29 €.


Die erste Bestellung

Für den Nutzer von Amazon Business ändert sich aufgrund der Usability Heuristiken von Amazon nichts im Vergleich zur B2C-Version – gesetzt dem Fall, man ist mit diesen vertraut: die Produktdetailseiten, die von Amazon gemachten Empfehlungen und viele weitere bekannte Features sind hier ebenso vertreten. Ergänzt wird diese Darstellung um B2B-Funktionen, was anhand der Produktdetailseite schön sichtbar wird. Hier kann der Nutzer die Losgröße der Ordner auswählen und Preisvorteile eruieren.


Amazon Business Produktdetailseite
Screenshot: Amazon Business

Hat der Nutzer seinen Warenkorb zusammengestellt und leitet den Check-Out ein, so hat er hier die Möglichkeit zum einen die bereits erwähnte Auftragsnummer der Bestellung hinzuzufügen und im Falle einer erforderlichen Bestellfreigabe einen Kommentar an die Person zu hinterlassen, die die Genehmigung erteilt.


Amazon Business Checkout Genehmigung
Screenshot: Amazon Business

Im Anschluss daran kann aus den für die Bestellgruppen hinterlegten Adressen, die gewünschte Lieferadresse ausgewählt werden. Ebenso ist die Auswahl der Zahlungsart und die endgültige Bestätigung der Bestellung erforderlich.



Der Genehmigungsprozess

Die für die Genehmigung festgelegte Person erhält nach der Auslösung der Bestellung eine Mail, in der sie aufgefordert wird den Prozess fortzusetzen. In der Kontoübersicht sind alle erforderlichen Freigaben aufgeführt.


Amazon Business Genehmigung absenden
Screenshot: Amazon Business

Auf einen Blick sind die Details der Bestellung und eventuell verfasste Kommentare aufgeführt. Die Freigabe kann mit einem Klick erteilt werden.


Fazit

Im B2B-Bereich hat Amazon mit ihrer Plattform eine sehr gute Möglichkeit geschaffen, die Beschaffung der gängigen Bedarfe auf einer Plattform zu bündeln. Eine Bezugsquelle und trotzdem mehrere Lieferanten sind einer der Hauptvorteile der Plattform.  Die Lieferanten nehmen dabei noch zu. Häufig hat man in den letzten Monaten auf Konferenzen und Messen gehört, dass B2B-Unternehmen sich vorbereiten, um auf Amazon Business ihre Produkte vertreiben zu können. Dazu kommt die Nutzungsfreundlichkeit von Amazon Business, die in der heutigen Zeit jeder vom privaten Online-Einkaufsverhalten schon kennt. Amazon hat es geschafft das Einkaufserlebnis der B2C-Plattform mit B2B-Funktionen zu kombinieren.

Sicher gibt es an einigen Stellen noch Anpassungsbedarf, was die Abbildung der gewünschten Geschäftskundenfunktionalitäten betrifft. So wäre beispielsweise eine globale Bearbeitung / Ansicht aller Unternehmenskontonutzer wünschenswert. Hier könnte man unabhängig von den Bestellgruppen die Rechte und Rollen der einzelnen Personen konfigurieren. Auch die Darstellung der Bestellgruppen und die Navigation zwischen diesen ist im ersten Test noch nicht so intuitiv, wie man es sich wünschen würde. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die Plattform erst seit knapp 1,5 Wochen live ist und Amazon mit Sicherheit hier noch auf die Wünsche und Feedbacks der Nutzer eingehen wird.
Wir verfolgen die Entwicklungen weiter und berichten im nächsten Fokus E-Commerce-Artikel zu Amazon Business über die Entwicklungen.



16. Dezember 2016

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