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E-Commerce-Talks mit Olaf Fischer (Claranet)

HOSTING - über Trends und Möglichkeiten

Unsere neue Reihe E-COMMERCE-TALKS beleuchtet alle Facetten der Digitalisierung. In Expertengesprächen zeigt unser CEO Alexander Janthur die Chancen der Digitalisierung auf und gibt mit seinen Gesprächspartnern spannende Einblicke in das jeweilige Themengebiet.

Olaf Fischer – Geschäftsführer von Claranet im Expertengespräch mit Alexander Janthur (CEO, VOTUM GmbH) über Möglichkeiten und Trends im Hosting für Unternehmen.  

Wie kann man im Rahmen der Digitalisierung die Möglichkeiten und Chancen im Hosting nutzen? Alexander Janthur hat mit Olaf Fischer zum Thema Hosting gesprochen.

E-COMMERCE-TALKS mit Olaf Fischer zum Anhören auf Soundcloud:

ALEXANDER JANTHUR:
Ja, herzlich willkommen, beim E-Commerce-Talk. Ich freue mich heute Olaf Fischer zu begrüßen, den Geschäftsführer von Claranet Deutschland. Mein Name ist Alexander Janthur, Geschäftsführer von Votum. Hallo Olaf!

OLAF FISCHER:
Hallo Alexander, schön, dass du mich eingeladen hast.

ALEXANDER JANTHUR:
Die Idee der Gesprächsreihe ist, dass sich Akteure aus der Praxis, die auch konkrete Umsetzungsverantwortung haben, zu aktuellen E-Commerce Themen austauschen, einen Einblick in die täglichen Herausforderungen und die ihrer Auftraggeber geben. Heute haben wir mit Claranet einen der führenden Cloudhostinganbieter Deutschlands im Gespräch. Was mich natürlich als erstes interessiert: E-Commerce entwickelt sich dynamisch, wir sind mittlerweile in der zweiten oder dritten evolutionären Stufe, was sind denn so die Herausforderungen im Hostingbereich innerhalb der letzten fünf Jahre gewesen? Die Veränderungen, die euer Business betreffen?

OLAF FISCHER:
Ja, das ist sogar etwas mehr als Hosting. Das ist im Grunde das Thema Provider oder Managed Service Provider wobei Hosting natürlich eine starke Rolle spielt. Also wir sehen das auch so wie du, dass sich das von einer ersten Generation in eine zweite, bis hin zur dritten Generation entwickelt hat. Früher war das so, dass E-Commerce im Grunde ein guter Warenkatalog mit einer Bestellfunktion war, aber relativ losgelöst inselmäßig betrieben wurde. Bei kleineren Unternehmen hatte das Thema durchaus einen strategischen Fokus, bei größeren war das so, „müssen wir haben, ist ganz interessant“. Inzwischen sehen wir das als weit stärker integriert. In vielen Fällen ist E-Commerce eine strategische Geschäftseinheit und es wird, nach meiner Meinung, in Zukunft für alle Unternehmen eine sehr entscheidende Rolle spielen. Das ist verbunden mit ambitionierten Wachstumszielen undAnbindung an komplexe Logistik- Infrastrukturen keine Insellösung mehr sondern tief integriert in die IT-Systeme und Prozesse, also ERP, Finanzen. Da gibt’s ein großes Erbringer-Ökosystem, also es ist massiv komplexer und vor allem wichtiger geworden für die Unternehmen.

Auch wenn die Unternehmen das vielleicht teilweise noch nicht erkannt haben, man merkt es zum Beispiel auch daran, wie wichtig das ist, dass die Transaktionsraten die zu bewältigen sind, jetzt aus Hoster- bzw. Providersicht massiv hochgehen. Es ist natürlich eine Flexibilisierung, die man da benötigt, d.h. man kann das nicht so statisch sehen, wie vielleicht ein großes ERP-System mit einer bestimmten Anzahl von Mitarbeitern in einem Unternehmen, sondern Weihnachtsgeschäft ist Weihnachtsgeschäft, da geht es los und man muss in diesem Bereich entsprechend vorbereitet sein, auch als Provider. Ja, das ist so die große Sicht. Also früher Insellösung, jetzt sehr stark integriert, sehr viel strategischere Bedeutung und damit auch sehr viel größere Herausforderungen, die wir sehen und erleben.

ALEXANDER JANTHUR:
Ich hab ja in letzter Zeit wirklich sehr viele Gespräche auch gerade mit Unternehmen im B2B-Bereich geführt, so ich sag mal, fängt an mit 50 Millionen Euro Umsatz bis 3 oder 4 Milliarden und was ich dort immer sehr beachtlich fand, auch viele Unternehmen, also ingenieursgetriebene Unternehmen, dass sie, für ihre eigene IT, also dort auch für ihre, ich sag mal, Rechenzentren, ihre Prozesse wirklich sehr, ich sag mal, strategische Projekte umsetzen, da auch die unternehmenseigene Cloud im Blick haben und das dann aber wirklich, die Fragestellung, wo wir dann auch, natürlich wir kommen dann auch immer sehr stark über irgendwelche E-Commerce Projekte oder auch über Bestellblattformprojekte ran. Die Frage ist, wie man sozusagen dann die eigenen Systeme mit den Publicsystemen vernetzt und wie man da eben auch die sichere Hostingbasis herstellen kann.

OLAF FISCHER:
Da gibt es durchaus ganz unterschiedliche Szenerien. Es gibt Unternehmen, die durchaus ihr Geschäft im Internet sehen, damit ist es ja E-Commerce. Die eine sehr stringente Digitalisierungsstrategie vorantreiben und dazu bereit sind, ihre gesamte IT in die Cloud auszulagern. Das ist zum Beispiel eine Gruner & Jahr, die wir dabei begleiten dürfen. Die haben sich vorgenommen, ihre Rechenzentren zuzumachen und komplett in die Cloud zu gehen. Nur die Cloud ist nicht gleich die Cloud. Da fängt man an mit der Private Cloud, auf der das gehostet wird, was noch nicht so cloudready ist, bis hin zur Colocation als Baseline,Das heißt also auch, dass man Applikationen, z.B. Shops cloudready machen muss, dann gibt es den nächsten Schritt in eine Public Cloud, das muss auch noch nicht AWS (Anmerkung: Amazon Web Services) sein. Bei diesem Weg begleiten wir Gruner & Jahr und das sind natürlich massive Herausforderungen..

Ein anderes Beispiel für eine Teilintegration, ist unsere gute alte Leica, das ist ja das analoge Unternehmen schlechthin gewesen. Die haben sich auch einer Digitalisierungsstrategie verschrieben, sie haben einen exzellenten Fotopark, wo man nicht nur die Fotos hochladen kann, sondern auch in premiumweise bearbeiten, tauschen usw.. Sie haben eine wirklich langfristige Digitalisierungsstrategie., aber sie haben nicht ihr SAP-System rausgegeben, sondern sie haben ein hybrides Szenario, ein E-Commerce Umfeld, wo die Dinge verkauft werden, hinten im Backend verbunden mit dem ERP-System. Ich finde man muss den Kunden dort abholen abholen, wo er ist und in der Lage sein, ihn in allen Bereichen zu begleiten, also von komplett in die Cloud bis hin zu hybriden Szenarien.

ALEXANDER JANTHUR:
Aber würdest du sagen, wenn wir jetzt zehn Jahre vorspulen, dass zukünftig Unternehmensanwendungen, Webanwendungen, also das im Prinzip jetzt als Hostingbasis, die im Prinzip alle aus der Cloud kommen werden? Ob es jetzt eine Privatecloud oder eine Publiccloud ist?

OLAF FISCHER:
Ja, ich habe die Sicht, das wird so sein. Das sieht man schon ein Stück weit in den USA. Ich glaube, es kommt nicht von ungefähr, dass es einer HP nicht gut geht, das hat auch damit zu tun, dass dorteine AWS noch viel stärker ist und eine Azure, als in Deutschland, dass die noch sehr viel stärker in die Cloud gehen. Wir unterstützen das Konzept Anycloud. Wir sehen die beiden großen Public Clouds oder drei mit Google, die werden sich etablieren. Die eigene IT wird immer weniger relevant. Deutschland hängt da etwas hinterher, aber eine Cloud in diesem Sinne ist eine Infrastruktur und deswegen sage ich auch, Hoster sind vielleicht nicht genau das, was man braucht, man braucht einen Managed Service Provider, der einen begleitet, weil man SLA’s haben möchte und zwar nicht darauf, dass irgendwo eine Zone bei AWS verfügbar ist, sondern, dass die Applikation läuft, dass der Shop läuft mit bestimmten Leistungsparametern.Wir haben natürlich unsere eigenen Rechenzentren, aber wir sehen das auch so, dassviele Workloads, wenn nicht alle, in die Cloud wandern werden, bei uns oder woanders und die müssen gemanagt werden und wir sind agnostisch, wo sie gemanagt werden.

ALEXANDER JANTHUR:
Das heißt bei euch zum Beispiel auch eine Veränderung des Aufgabenbereiches, immer mehr weg von dem reinen Infrastrukturdienstleister bis hin zur Verantwortung für Applikationen, dass die Architektur stimmt, dass die Verfügbarkeit garantiert ist?

OLAF FISCHER:
Ja, das ist richtig. Dem haben wir uns schon Mitte der 2010er, also 2007, 2008 verschrieben, wir haben das Managed Applications genannt und haben solche Kunden, wie zum Beispiel N24 begleiten dürfen. Wir geben SLA’s auf das Applicationoutcome. Dashat auch mit Prozessen zu tun, weil, du weißt ja selbst, das ist nicht statisch, ihr wollt permanent, auch beim E-Commerce, beim Shop, neue Features einbauen und trotzdem müssen die SLA’s gehalten werden. Wir müssen also das gesamte Ökosystem begleiten und integrieren, der Kunde ist nicht daran interessiert, dass ein Rechenzentrum toll läuft, dass die Software die Leistungsspezifikation erfüllt, dass die Beratung das Richtige macht, sondern der Kunde möchte gerade im E-Commerce Bereich, dass sein Shop liefert und das ist das entscheidende und mehr als Technologie, mehr als Infrastruktur. Das ist ein Managed Service, den wir bereitstellen und dabei ist sehr entscheidend, dass man das ganze Ökosystem integriert, deswegen arbeiten wir auch zusammen.

ALEXANDER JANTHUR:
Das ist im Prinzip, ich sag mal, auch eine Veränderung in der Entwicklungsdynamik. Continuous delivery, dass man auch Veränderung täglich deployen kann, also im Prinzip aus dieser, aus diesen statischen Entwicklungszyklen hin zu agilen Entwicklungsmethodiken zu kommen. Das ist ja mittlerweile eine Standardanforderung und wenn man, bei uns jetzt auch, wir haben ja zum Beispiel einen Marktplatz für die Schweiz entwickelt, dort werden täglich mehrmals neue Features deployt und das muss sozusagen sowohl die Verfügbarkeit, als auch die Qualität muss sichergestellt sein.

Ich will nochmal zu einem anderen Thema schwenken. Das ist sozusagen das Thema der Echtzeitkommunikation und der Verarbeitung von immer detaillierteren Kundendaten. Ja, also dieses schöne Schlagwort, was jetzt in den letzten Wochen, Monaten: „Age of me“, das Ichzentrische-Zeitalter, dass also immer mehr Informationen gesammelt werden und die Angebote und die Kommunikation mit potenziellen Kunden und Auftraggebern danach ausgesteuert wird. Das bedeute ja in der Regel auch, dass mehrere Systeme in Echtzeit miteinander kommunizieren. Das fängt an mit einer Suche, einer Recommendation-Engine, bis dazu, dass vielleicht zukünftig direkt an den erfassten Daten virtuelle Produkte in Echtzeit generiert werden. Was sind dann da eure Herausforderungen? Also das immer mehr Daten in Echtzeit verarbeitet werden und im Prinzip, wir haben jetzt den Klick oder die Reaktionszeit des Nutzers und dazwischen immer komplexere Prozesse stattfinden.

OLAF FISCHER:
Das hat sehr viele technische Implikationen, aber das kann man sicherlich nicht allein auf die Technik beschränken, sondern da ist ganz klar erforderlich, dass man über ein Erbringer-Ökosystem nachdenkt, wo jeder seine Spezialität hat. Denn das eine ist die technische Herausforderung. Das andere ist, wenn ich die Daten habe, was mach ich damit? Das ist die Analytics und aus der Analytics heraus die Aktion. Was leite ich daraus ab? Wir sehen uns als Teil eines solchen Partnererbringungssystems und sind sicherlich in der Lage auf der technischen Ebene entsprechende Memory Databases oder Collectoren bereit zu stellen. Da gibt es ja die verschiedensten Technologieansätze, ob man bei AWS ist, ob man bei uns ist, ob man woanders ist – um diese technische Voraussetzung zu ermöglichen, um diese vielen Daten zu collecten und auch verarbeitungsfähig zu machen. Wo wir uns nicht mehr sehen ist in der Datenanalyse. Wo ihr euch an dieser Stelle seht, das würde mich interessieren. Wir sehen uns so an der technischen Ecke bei Big Data.

ALEXANDER JANTHUR:
Das ist so eine vergleichbare Positionierung. Also wir sehen uns dort quasi als Architekten für die Gesamtsysteme jetzt von Applikationsseite und ja, für uns ist halt immer ganz zentral, also wenn man da jetzt, ich sag mal, die letzten Jahre sieht, also es gab einen Job oder die ERP Anbindung, dann kamen externe Suche hinzu, die halt schon eine Recommendation beinhaltet. Dann kommen die Anforderungen der kundenindividuell Echtzeitpreise, also das man im Prinzip eine Echtzeitkommunikation zwischen Shop und ERP herstellen kann und was jetzt als nächstes kommt und das finde ich eine wirklich spannende Herausforderung, ist der nächste große Valuetreiber , das CRM. Welche Services und welche Produkte kann man aus den Daten, Kundendaten und Bewegungsdaten generieren? Das spannende ist, dass das eben bisher ein sehr B2C-lastiges Thema ist, es aber eben auch im B2B-Thema immer stärker in den strategischen Fokus rückt.

OLAF FISCHER:
Ich glaube, dass, was du beschreibst, ist tatsächlich spannend und du hast auch eine Schnittstelle erwähnt, mit der wir uns durchaus beschäftigen müssen, wenn du sagst „Anbindung von E-Commerce Systemen ans ERP-System“. Das ist technisch erst mal nicht wirklich Rocket-Science. Das ist nicht so schwierig, aber organisatorisch kannst du davon ausgehen, dass wir bei der E-Commerce Seite mit den Businessmakern, mit den Shopmakern, also Marketing, Sales, also mit sehr agil denkenden Leuten zu tun haben und hinten ist das ERP-System, das schöne SAP-System noch immer unter der Hoheit der Good-old-fashioned IT und du kannst dir vorstellen, da gibt es durchaus das eine oder andere, ich will nicht sagen „Konfliktpotenzial“, aber die Unternehmen müssen sich überlegen, wo wollen wir wirklich hin. Also da sind noch zwei Welten, die eigentlich zusammengehören. In Zukunft sehen wir die definitiv zusammen, ERP und E-Commerce, nicht nur wir, sondern auch die Analysten und ihr auch, wie ich dich verstanden habe. Als Unternehmenslenker würd ich sehr genau darauf achten, dass ich nicht einen Bottleneck einbaue. Solche Bottlenecks habe ich schon gesehen und da ist nichts mit Echtzeit, da wird es manchmal richtig langsam. Tolle Transaktionsgeschwindigkeiten vorne und hinten dauert es ewig, bis das umgesetzt worden ist.

ALEXANDER JANTHUR:
Das ist sowieso eine Herausforderung für viele Unternehmen. Ja, da haben wir auch, da haben wir einen bunten Strauß an Erfahrung, wo dann im Prinzip die strategische Ansatz oder die Idee auch von Geschwindigkeit im Vertrieb und die eigenen IT-Strukturen auch diametral entgegenstehen, also das sind auf jeden Fall, das denk ich auch gerade strukturell, IT-strukturell eine der großen Baustellen vieler Unternehmen im nächsten Jahr, aber wie gesagt, da bin ich selber, ich bin da wirklich in vielen Gesprächen, da habe ich den Eindruck, dass da strategisch viele Unternehmen IT-strategisch sehr weit sind, die Themen erkannt haben und die jetzt auch intern mit Hochdruck angehen und das man solche Themen, SAP kommt aus einer Burg und man hat enorme Probleme, allein schon von der IT-Struktur mit einem ERP zu kommunizieren. Das wird sich in den nächsten auf jeden Fall stark verändern.


OLAF FISCHER:
Das bedeutet natürlich auch für Provider oder für Erbringer in diesem Ökosystem ganz neue Herausforderungen. Bisher war das ja so, dass Shops mal aufgestellt wurden, aber strategisch ohne jede Bedeutung. Jetzt werden die voll integriert in den gesamten Unternehmensprozess, in die gesamte IT, da gibt es natürlich Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Die spielen eine immer größere Rolle bis hin zur Wirtschaftsprüfungsanforderung nach ISAE3402 und da sehen wir uns auch als Partner unserer Partner und Kunden, indem wir einen großen Teil davon abnehmen, indem wir sagen, wir sind nach diesen Kriterien zertifiziert und ich glaube, das ist eine Herausforderung, die viele Provider haben werden, dass sie nicht nur eine technische Dimension, sondern auch die Security- und die Compliance-Dimension haben. Die sehen wir als immer wichtiger an. Ist eigentlich relativ langweilig, aber ohne sie gibt es kein signifikantes Geschäft auf Dauer.

ALEXANDER JANTHUR:
Das ist eine wunderbare Überleitung, weil wenn wir von ERP, Kundendaten und ab in die Cloud reden, Datenschutz und Sicherheit? Wie geht ihr da vor? Ich mein, habt ihr dort ein eigenes Forschungsteam? Ich meine das ist ja ein Bereich, da haben wir es auf der anderen Seite mit sehr lebendigen Akteuren zu tun, die halt täglich sich was Neues einfallen lassen.

OLAF FISCHER:
Ja, also da gibt’s mehrere Antworten drauf. Das eine ist, was du anreißt, die technische Sicherheit. Da sind wir natürlich als Gruppe aufgestellt und haben auch schon Firmen gekauft, die darauf spezialisiert sind, bis hin zur Forensik. Da sind wir sehr gut gerüstet und müssen natürlich Schritt halten, d.h. beobachten, was sich am Markt tut und dann auch mal über Nacht dieses Thema durchpatchen bei einem Fehler, der gerade erst publik geworden ist. Also das ist die technische Dimension und das andere ist die prozessuale Dimension, eben das nachweisbar zu machen. Man kann ja viel erzählen, aber Compliance geht ja auf Nachweispflicht und das ist ja auch vernünftig? Wie sind die Prozesse integriert mit den Prozessen des Kunden? Wie gehen wir mit den Daten um? Was für Incidents gab es? Wie wurden sie gelöst? Um dem Kunden eine Nachweisfähigkeit zu ermöglichen und da legen immer mehr Kunden auch Wert drauf, weil sie selbst wiederum in dieser Nachweispflicht sind. Also wir sehen die technische Dimension, die ist durchaus herausfordernd, und wir sehen die prozessuale, also was wir unter Compliance fassen. Da sind wir wirklich sehr gut aufgestellt mit unseren Securityteam. Also unser CISO (Chief Information Security Officer) ist ein exzellenter Mann und wir sind immer auf dem neuesten Stand.

ALEXANDER JANTHUR:
Gut, jetzt sind wir ja schon sehr tief eingetaucht. Ich hab noch ein Thema, was mich auf jeden Fall interessiert. Das ist jetzt sozusagen mal ein Sprung nach links. Wir haben ja Cloud. Wir haben Geschwindigkeit. Wir haben immer mehr Kundendaten und wir haben gleichzeitig auch, Entschuldigung in der anderen Entwicklung, also da werden wir selbst als Agentur jetzt erstaunlicherweise nachgefragt, das ist das Thema Nachhaltigkeit, so. Also wir müssen mittlerweile in Ausschreibungen da auch unseren CO2 Footprint mit belegen. Wie ist den dieses Thema bei euch? Also wie sozusagen ist denn vielleicht auch Cloud unter Nachhaltigkeitsaspekten eine gute Sache?

OLAF FISCHER:
Das begegnet uns ja auch. Wir bauen jetzt keine Rechenzentren am Polarkreis. Das überlassen wir Google und nützen die dann im Zweifelsfall, aber natürlich betreiben wir permanente Innovation – auch was die Basistechnologie anbelangt. Unsere Rechenzentrumsenergie ist eine ökologische Energie. Das können wir nachweisen und darüber hinaus gibt es eine ISO-Norm, damit man sieht, wo man steht und was notwendig ist, um das zu verbessern. Es ist also ein kontinuierlicher Prozess.

ALEXANDER JANTHUR:
Gut. Dann noch eine Sache, wir sind jetzt hier auch gut zwanzig Minuten schon unterwegs, aber ich würde gerne noch eine Verknüpfung herstellen. Wir haben ja hier so einen Megatrend, in Berlin auch wirklich sehr beachtlich, man sieht sehr viele Leute in Bewegung, die auf ihr Handy starren und von oben nach unten wischen. Manchmal sieht man mittlerweile Ansammlungen an Kreuzzungen. Ich habe letztens am Flughafen in Stuttgart eine Unterhaltung von zwei Frauen mitbekommen: die eine 60, die andere 30. Sie haben sich über Pokemon Go unterhalten. Die eine meinte, ja sie ist wegen Pokemon Go diese Woche schon siebeneinhalb Kilometer gelaufen und das war die 60-Jährige. Für uns im E-Commerce eine, klar fantastische Entwicklung: noch mehr Daten. Benutzer sind wirklich bereit Anbieter komplett in ihre Privatsphäre zu lassen. Was kommt jetzt mit der Sammlung von Daten und deren Verarbeitung in auf Cloudanbieter, aufs Hosting zu?

OLAF FISCHER:
Ja, das ist wiederum eine technische Anforderung. Der begegnet man indem man die Infrastrukturen so zur Verfügung stellt, dass sie scale-out fähig sind. Also das ist jetzt mit entsprechenden Caching-Mechanismen sehr gut darstellbar. Ich sehe jetzt keine so große technische Herausforderung für uns. Zumal ich Pokemon Go gar nicht kennte. Ich kann mir vorstellen, dass die APP irgendwo auf einer der großen Cloud implementiert ist – z.B. auf AWS oder auf Azure – und das können wir sicherlich auch, da haben wir bereits entsprechende Projekte. Das Backend so aufzubereiten und die SLA’s so draufzugeben, dass eine solche APP skaliert, das ist unsere Kernkompetenz, ohne dass wir die Infrastruktur brauchen. Wir sind ja am Ende Serviceprovider. Wir haben zwar Infrastrukturen, aber nicht die weltweiten, dafür haben wir eben Partner wie AWS.

ALEXANDER JANTHUR:
Gut. Das heißt, wenn wir mal aus einer Laune heraus ein vergleichbares Projekt oder Produkt entwickelt wollen, das könnten wir zusammen technologisch machen?

OLAF FISCHER:
Absolut. E-Commerce bzw. eine gute Geschäftsidee ist nicht auf Deutschland oder Europa begrenzt und auch ein Unternehmenslenker sollte frühzeitig daran denken, wenn er wirklich etwas Gutes hat, dass das dann auch weltweit möglich ist,Deswegen sind wir entsprechend aufgestellt solche Infrastrukturumgebung für große Brands, aber auch für vielversprechende Start-Up’s bauen zu könnenentweder mit eigener Infrastruktur oder auf den Plattformen von Public Cloud Providern.

ALEXANDER JANTHUR:
Wir haben uns vorgenommen zum Schluss immer noch eine ganz praktische Frage zu stellen und da wir jetzt hier Claranet bzw. auch dich mit dabei haben, würde es mich freuen in einer knackigen Antwort die drei wichtigsten Faktoren für die Auswahl des richtigen Providers, der richtigen Hostinglösung von dir zu hören und idealerweise nicht so, dass automatisch Claranet rauskommt. Was würdest du sagen, wenn jemand sagt: „Auf welche drei Faktoren muss ich , bei der Auswahl des Anbieters achten, wenn ich jetzt meine Cloud oder eine neue Struktur aufsetzen will?“

OLAF FISCHER:
Also ich würde auf jeden Fall einen Serviceprovider aussuchen, weil die Infrastruktur zwar wichtig, aber sekundär ist. Ich würde mir jemand aussuchen, wenn ich ein wichtiges, großes Geschäft mache, der stabil und stark genug ist, der nicht morgen vom Markt verschwindet. Das ist, glaube ich, für unternehmenskritische Dinge immer wichtig und auch innovativ, agil und sicher sollte der Anbieter sein. Das sind die drei Charakteristika die einen Provider auszeichnen sollten.

ALEXANDER JANTHUR:
Okay, gut. Wunderbar und zum Schluss noch eine ganz persönliche Frage an dich. Was war das letzte Produkt, dass du online eingekauft hast?

OLAF FISCHER:
Das letzte Produkt, was ich online eingekauft habe, war ein Handball Tactic Dashboard von Amazon, für meinen Sohn.

ALEXANDER JANTHUR:
Okay, mein letztes Produkt war ein Weinkarton mit zwölf Flaschen Wein. Okay Olaf, vielen, vielen Dank. Dann wünsch ich noch einen sonnigen Tag in dem wunderbaren Spätsommer und ja allen Akteuren und uns viel Erfolg und Gesundheit.

OLAF FISCHER:
Ja, auch dir vielen Dank für das wirklich sehr interessante Gespräch, fand ich toll. Können wir gerne mal wiederholen und ja bis bald hoffe ich.


23. September 2016

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