Teil 1 der Mobile SEO Reihe: Mobile Rankingfaktoren

Mobile Rankingfaktoren 2015: Warum Sie Ihren Online-Shop jetzt anpassen sollten

Immer mehr User suchen mit dem Mobilgerät: Gemessen am Gesamtsuchvolumen werden mobile Anfragen bald schon an den Desktopsuchanfragen vorbeiziehen. Deshalb müssen Online-Shops jetzt handeln und ihren Kunden mobil optimierte Shop-Versionen anbieten. Was genau ist zu tun? Eine neue Studie von Searchmetrics zeigt auf, welches die relevanten Rankingfaktoren für die mobile Suche sind. Wir fassen die Ergebnisse zusammen und geben Handlungsempfehlungen für Shopbetreiber.

Die neue Searchmetrics Studie zu den mobilen Rankingfaktoren 2015 beschäftigt sich im Kern mit den Unterschieden zwischen mobiler Suche und Desktop-Suche und gibt Websitebetreibern wichtige Tipps, welche Faktoren mobil stärker beachtet werden sollten. Wie bereits in der vorangegangenen Studie wurden auch dieses Mal die Bereiche Technik, User Experience, Content und Social Signals untersucht. Searchmetrics hat dafür die mobilen Suchergebnisse betrachtet und sie mit den Werten aus dem Vorjahr sowie den Ergebnissen zur Untersuchung der Desktop-Rankingfaktoren von 2015 verglichen. Die Studienergebnisse machen interessante Unterschiede zwischen der mobilen Suche und der Desktop-Suche sichtbar.

Korrelationen-Infografik von Searchmetrics zu den Mobile Rankingfaktoren 2015

Die 4 wichtigsten Studienergebnisse im Überblick

Technik – Die Dateigröße entscheidet

Die von Searchmetrics analysierten URLs besitzen über alle mobilen Ergebnisse hinweg eine geringere Dateigröße als die Top30-Ergebnisse in der Desktop-Suche. Aufgrund der kleineren Dateigröße laden die mobilen Inhalte bis zu einer Zehntelsekunde schneller als die Desktop-Versionen. Größe und Ladezeiten sollten daher als elementar angesehen werden und für jede mobile Strategie berücksichtigt werden. Gerade in der mobilen Suche erwarten Nutzer eine schnelle Bereitstellung der gewünschten Informationen.

Content – Texte dominieren

Der holistische Content-Ansatz ist mobil bereits auf einem erfolgreicheren Weg als in der Desktop-Suche. Die untersuchten mobilen Websites verwenden mehr Proof Terms (Begriffe, die eine enge semantische Verwandtschaft zum Haupt-Keyword besitzen) als die URLs, die in den Desktop-SERPs ranken. Auch die Verwendung von Relevant Terms (Begriffe, die semantisch weiter vom Haupt-Keyword entfernt sind) ist mobil deutlich gestiegen. Mobiler Content weist im Vergleich zum Vorjahr eine höhere Wortanzahl auf, ist im Vergleich zu den Desktop-Ergebnissen deutlich kürzer.

User Experience – Struktur dominiert, Werbung verliert

Die auf einer Website verwendeten Schriftarten variieren mobil. Above-the-Fold (der Seitenbereich, der ohne Scrollen zu sehen ist) weisen mobile URLs, anders als die Desktop-Varianten, deutlich größere Schriftarten auf. Below-the-Fold tauchen mobil kleinere Schriftarten auf. Strukturierende Elemente wie Listen, Buttons und interaktive Elemente sind mobil weniger anzutreffen, was vor allem an der kleinen Bildschirmgröße liegt. Zudem besitzen mobile URLs weitaus weniger Ads und Bilder als Desktop-Websites. Anzeigen und Bilder beanspruchen Dateigröße und somit auch Ladezeit. Keine bzw. wenig Ads sowie wenig und gut optimierte Bilder machen mobile Seiten schnell.

Backlinks – Zurückhaltung ist gefragt

Die analysierten Websites in den mobilen SERPs weisen deutlich weniger Backlinks auf als Websites in der Desktop-Suche. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wird die Bedeutung von Backlinks für die mobile Suche stärker abnehmen: Beim mobilen Surfen werden Inhalte so gut wie nie aktiv verlinkt. Zum anderen bestehen die mobilen SERPs aus einem ausgewogenen Verhältnis von Responsive Design und eigenständigen mobilen URLs (z. B. m.domain.de). Die mobilen URLs sind noch häufig relativ neu und tauchen auch nicht in den Desktop-SERPs auf. Somit gab es hier bisher wenige Chancen, diese URLs gut zu verlinken. Für Websites, die Responsive Design verwenden und somit in den mobilen SERPs und in den Desktop-SERPs auftauchen, wird es zukünftig spannend, zu erfahren welchen Einfluss ihre Backlinks in der mobilen Suche haben werden.

Die mobile Suche wird von Google immer weiter angepasst

Wenn Sie sich nun an die Optimierung Ihrer Website oder Ihres Online-Shops machen, sollte Ihnen vorher Folgendes klar sein: Die Anpassung der Algorithmen ist ein andauernder Prozess bei Google – und damit auch für Sie. Das Suchunternehmen passt seine Technologie regelmäßig an aktuelle demografische und technologische Trends an.
2015 ist in dieser Entwicklung ein entscheidendes Jahr gewesen: Am 21. April 2015 wurde das bisher größte Mobile Update von Google ausgerollt, auch bekannt geworden als „Mobilegeddon“. Die Frage, ob eine mobile Website oder ein mobiler Online-Shop mobile friendly sind, ist seitdem wichtiger Rankingfaktor. Wenn keine mobil optimierte Website vorhanden ist, drohen schlechtere Rankings in der mobilen Suche. Spätestens jetzt sollte jeder Shopbetreiber die Wichtigkeit der Mobiloptimierung erkannt haben.

Eine Übersicht zur Entwicklung der mobilen Suche

Die Auswirkungen, die direkt auf das Mobile Update folgten, waren insgesamt relativ gering. Ein größeres Durcheinanderwirbeln der SERPs, wie es von anderen Updates bekannt ist, gab es nicht. Die mobilen SERPs sind relativ stabil geblieben. Das lag vor allem daran, dass etliche Websites bereits über eine mobil optimierte Version verfügten. Google hat zudem vor Bekanntgabe des Updates verlauten lassen, dass Websites, die nicht mobil optimiert sind, ihre positiven Rankings für bestimmte Suchanfragen so lange behalten, bis es eine konkurrierende und passende mobil optimierte Website gibt, die den Nutzern ausgespielt werden kann. Mobil optimierte Websites wurden bereits lange vor dem Update mit besseren Rankings bedacht. Somit erstaunte es nicht, dass die mobilen SERPs kaum schwankten. Langfristig angelegte Betrachtungen zeigen, dass sich der Anteil an mobilfreundlichen URLs in der mobilen Suche stetig erhöht.
In seiner neuesten Studie zu den Mobilen Rankingfaktoren hat Searchmetrics die 100 größten Websites im Google Index auf mobile Nutzerfreundlichkeit hin untersucht. Vor dem Update waren gut Dreiviertel der Websites mobil gut aufgestellt. Nach dem Update stieg der Anteil auf 90 Prozent.

Mobilfreundlichkeit der Top100 Websites
Mobilfreundlichkeit der Top100 Websites im Suchindex | ©Searchmetrics

Unterschiede zu anderen Google-Updates

Das Mobile Update unterscheidet sich in verschiedenen Punkten von Updates wie Panda oder Penguin. Die Auswirkungen für eine mobile Website zeigen sich erst dann, wenn der Bot diese gecrawlt und auf mobile Nutzerfreundlichkeit geprüft hat. Zudem wurden die Kriterien, die an Webmaster gestellt werden, von Anfang an transparent und offen kommuniziert. Jeder Website-Betreiber kann also zeitnah reagieren.
Zudem können Websites, die bisher über keine mobile Version verfügen und deshalb schlechter in der mobilen Suche gerankt werden, relativ schnell Plätze gut machen, sobald die mobile Seitenversion vorhanden ist und von Google gecrawlt und bewertet wurde. Bei anderen Algorithmus-Änderungen müssen Webmaster so lange warten, bis Google ein neues Update ausspielt, um wieder bessere Rankings zu erlangen.

Was Google unter „Mobilgerät“ zusammenfasst

Den Begriff „Mobilgerät“ definiert Google relativ eng. Bei mobilen Geräten werden folgende Geräteklassen unterschieden:

  • Smartphones: iPhone, Android-, Windows-Geräte
  • Tablets: sind mobile Geräte, werden von Google allerdings wie Desktop-PCs behandelt
  • Multimedia-Telefone: unterstützen nicht alle HTML5-Anforderungen und werden von Google deshalb nicht als Mobilgerät definiert
  • Feature Phones: unterstützen kein HTML und werden nicht als Mobilgerät definiert

Tablets können Websites in der Regel in der Desktop-Version abbilden. Das heißt, Tablet-Nutzer müssen nicht auf mobile Website-Versionen weitergeleitet werden.

Welchen Index nutzt Google für mobile Seiten?

Die mobilen Suchergebnisse werden nicht über einen eigenen mobilen Index abgebildet. Dafür wird der gleiche Suchindex verwendet, der auch die Basis für die Desktop-Suche bildet. Die Ergebnisse des Suchindex werden für die mobile Suche modifiziert und angepasst. Dennoch gibt es immer wieder Gerüchte, dass Google an einem eigenen mobilen Index arbeitet.

Darstellung der Indexierung und Ranking einer Website
Darstellung der Indexierung und Ranking einer Website | ©Sistrix

Die Bedeutung der mobilen Nutzerfreundlichkeit

Nutzer müssen auch mobil die relevantesten und nützlichsten Informationen erhalten, d. h. Informationen, die ihre Suchintention möglichst genau bedienen. Unsere Gesellschaft ist schnelllebig, was sich darauf auswirkt, dass jeder immer und überall Informationen, Angebote, Produkte etc. schnell verfügbar haben will. Kunden, die mobil surfen, haben tendenziell weniger Zeit und verzeihen Fehler in der mobilen Suche sowie auf mobilen Websites weniger als User, die am Desktop surfen. Online-Shops müssen sich darauf einstellen und ihre Seite so optimieren, dass auch mobil surfende Kunden immer das beste Ergebnis bekommen. Zudem belohnen viele Nutzer nur den Shop mit einer Rückkehr, der mobil am besten funktioniert hat.

Die wichtigsten Faktoren bzw. Herausforderungen für die mobile Optimierung sind die kleinere Bildschirmgröße sowie die Touch-Navigation von Mobilgeräten. Mobile-Friendly sind Websites, die den folgenden Kriterien entsprechen:

  • Plug-Ins wie Flash, Silverlight, Java werden in der mobilen Version vermieden
  • der Content muss ohne Zoom lesbar sein
  • der Content muss sich der Breite des Mobilgeräts anpassen
  • Links müssen, um gut klickbar zu sein, ausreichend Abstand zueinander haben

Google hat kurz vor dem Rollout des Mobile Updates eine Q&A-Session veranstaltet, in der die wichtigsten Fragen und Punkte rund um das Update erklärt wurden.

Google fällt die Entscheidung, ob eine Website mobile friendly ist, auf URL-Basis und nie auf Domainbasis. Somit kann es also passieren, dass eine Domain neben mobile friendly URLs auch nicht-mobile friendly URLs aufweist. Es wird also nicht gleich die ganze Domain aus dem mobilen Index entfernt oder schlechter gerankt, wenn einzelne URLs nicht mobile friendly sind. Mobile Anpassungen werden zeitnah von Google erkannt, sodass die Optimierungen relativ schnell einen direkten Einfluss auf die Performance der jeweiligen Seite haben.

Muss ich meinen Shop für die mobile Suche optimieren?

Jeder Website- und Shop-Betreiber sollte sich intensiv mit der mobilen Suche auseinandersetzen. Im ersten Schritt muss analysiert werden, ob Mobile wirklich der richtige Kanal ist – für die meisten Geschäftsmodelle trifft das zu, trotzdem gibt es Ausnahmen. Im B2B-Bereich beispielsweise kann es auch heute noch vorkommen, dass die mobile Suche nur eine untergeordnete Rolle spielt, weil fast der gesamte Traffic über die Desktop-Suche kommt.
Grundsätzlich kann aber jede Website von mobiler Optimierung profitieren. Dabei muss sich dieser Profit nicht unbedingt in einer Steigerung der Sales oder in einer verbesserten Click-Through-Rate (CTR) widerspiegeln. Das oberste Ziel sollte stets eine gute User Experience sein. Diese steht schon beim Mobile Update selbst im Mittelpunkt. Eine gute mobile Experience stellt für Unternehmen eine optimale Grundlage dar, auf der sie ihre gesamte Mobile-Strategie aufbauen können.

Lesen Sie im zweiten Teil unserer Mobile-Serie, wie Sie Ihren Online-Shop mobil fit machen und mögliche Fehler identifizieren können.

25. Januar 2016

Über den Autor

Nicole Krake ist SEO Managerin bei VOTUM. Ihr Schwerpunkt liegt vor allem auf dem Offpage-Bereich. Seit 2015 jongliert sie bei VOTUM nicht nur mit Links, sondern schreibt im Fokus E-Commerce regelmäßig über aktuelle SEO- und Online Marketing-Themen aus der Branche.
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